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Für immer 17 am Liebensteiner Stausee

Spannung und Entspannung beim Angeln am Stausee Liebenstein

Das erste Mal am Seeufer stand Franz Hollweck mit 17 Jahren. Mit Moped und Angelrute hatte er sich aufgemacht, um die Gewässer im Stiftland rund um Tirschenreuth zu erkunden. Bis heute ist seine Begeisterung für den "Liebensteiner" ungebrochen.

Franz Hollweck ist Fachjournalist für den Bereich Angelsport und wohnt im Landkreis Amberg-Sulzbach, also in direkter Nachbarschaft zum Oberpfälzer Wald. Schon seit seiner Jugend zieht es ihn an den Stausee Liebenstein, mittlerweile hat er dort auch mehrere Angelfilme gedreht. Für unsere Reihe "Oberpfälzer Glücksmomente" hat er uns ausführlich seine Liebe zum Liebensteiner geschildert - und diese Geschichte ist so schön und herzlich, dass wir euch kein Wort vorenthalten wollen und sie einfach komplett wiedergeben. Hier kommt Franz Hollwecks ganz persönliche Liebeserklärung an den Liebensteiner Stausee:

 

Spannung und Entspannung: Angeln am Stausee Liebenstein

Stress, immer nur Stress! Ob im Büro, auf der Baustelle, im Supermarkt oder auf der Straße, unser Alltag wird dominiert von Verpflichtungen und Leistungsdruck. Umso verständlicher ist der Wunsch vieler Menschen nach etwas innerem Ausgleich, nach Entschleunigung und Ruhe. Man möchte endlich dem Alltag entfliehen und mal wieder frei durchatmen. So stark die Sehnsucht nach etwas Abstand oft auch ist, so schwer fällt es, ihn in die Tat
umzusetzen. Für mich persönlich habe ich einen Weg gefunden, um für ein paar Stunden abzuschalten: Angeln am Liebensteiner Stausee. Im Herzen des nördlichen Oberpfälzer Waldes, zwischen Plößberg und Tirschenreuth, versteckt sich ein See, den kaum ein Reiseführer kennt – und der doch so einzigartig ist, dass ich dort seit vielen Jahre wertvolle „quality time“ verbringe.


Hier kannst du immer siebzehn sein.

Das erste Mal am Seeufer stand ich im zarten Alter von 17 Jahren, als ich mich mit Moped und Angelrute vom Amberg-Sulzbacher Land aus aufmachte, die Gewässer im nahegelegenen Stiftland rund um Tirschenreuth zu erkunden. Mein Blick schweifte über den See, meine Augen suchten, an den Ufern entlang, die sanften Hügel hinauf, doch ich fand nichts. Das hat sich bis heute nicht geändert. Auch Ihnen wird es so ergehen, wenn sie das erste Mal am Seeufer stehen. Sie können schauen und suchen, soviel Sie wollen – Sie werden nichts finden. So schön kann Nichts ein.

Es gibt an diesem Stausee nichts was sie sonst von stadtnahen Erholungsgebieten kennen. Es gibt kein Café mit Seeterrasse, es gibt keinen Tretbootverleih, keinen Campingplatz, keinen Abenteuerspielplatz und keinen Segelboothafen. Es gibt einfach nichts, noch nichtmal einen Badestrand. Genau das macht diesen See so besonders. Wo findet man heutzutage schon einen, See der einfach nur ein See sein darf? Der Liebensteinspeicher darf es: ein einsamer, großer See, umgeben vom Oberpfälzer Wald. Fast wie in Kanada, nur nicht so weit weg. Der in den 1960er Jahren angelegte Stausee dient vor allem als Hochwasserrückhaltebecken und staut die kleine Waldnaab zu einem beachtlichen See, der bei Vollstau eine Fläche von über 80 ha einnimmt. Der Wasserstand kann je nach Jahreszeit sehr deutlich variieren – einen historisch niedrigen Wasserstand verzeichnete man im Herbst und Winter 2018/2019. Wegen Revisionsarbeiten an der Brücke, die über den östlichen Arm des Sees führt, wurde das Wasser stark abgesenkt. Das üppige Grün wich einer Mondlandschaft und lud ein zum Spaziergang auf dem
Seegrund. Wer nicht gerade auf dem Seegrund laufen möchte, erkundet den See am besten über den kleinen, gut 5 km langen und sehr leicht zu bewältigenden Rundwanderweg, der in respektvollem Abstand um den See verläuft.

 

Glücksmomente beim Angeln

Das Bild dieser etwas schroffen, schlichten Schönheit der Landschaft am Fuße des bayerisch-böhmischen Grenzkamms verschafft mir auch heute noch ein Gefühl des Heimkommens, sobald ich wieder mit meiner Angel am Seeufer stehe. Wenn man als einzelner, kleiner Mensch so einem riesigen Wasserkörper gegenübersteht, kommt einem sein Vorhaben, hier einen Fisch zu überlisten, schon manchmal etwas abenteuerlich vor. Wollte man mit seinem Köder den ganzen See nach Fischen absuchen, wäre man tage-, ja
wahrscheinlich sogar wochenlang unterwegs. Nüchtern betrachtet wirkt es doch etwas aussichtslos und dennoch: Irgendwann besinnt man sich
wieder auf den Grund, warum man hier ist. Eben, um sich einmal nicht den Kopf zerbrechen zu müssen, um einmal keine rationalen Entscheidungen treffen zu müssen und auch um vielleicht einfach mal etwas scheinbar Aussichtsloses zu wagen. Kaum hat man den ersten Wurf gemacht und der Köder landet im Wasser, verändert sich die eigene Wahrnehmung. Das geschulte Auge beobachtet die Angelschnur, sucht nach kleinen Ringen an der
Wasseroberfläche, die einen Fisch verraten könnten. Das Ohr lauscht, es sehnt sich stets danach ein Platschen zu vernehmen das auf einen raubenden Fisch hindeutet. Mit jedem Wurf vergisst man mehr und mehr die Welt um sich herum. Nach und nach wird man eins, eins mit dem See und eins mit sich selbst. Das ist er, der Glücksmoment, der Zustand völliger Vertiefung und restlosen Aufgehens in der eigenen Leidenschaft. Oft angelt man sich über Stunden in diesen Flow, um dann im Bruchteil einer Sekunde aus diesem Zustand herausgerissen zu werden. Plötzlich hat doch ein Fisch angebissen, der Zustand der völligen Entspannung wechselt sofort ins komplette Gegenteil.
Totale Anspannung, der Puls geht schneller, das Herz klopft – jetzt bloß keinen Fehler machen. Schließlich ist es geschafft, der Fisch landet im Kescher.

Wenn Sie sich schon einmal gefragt haben, was Menschen seit jeher dazu bewegen mag, stundenlang ins Wasser zu starren und zu versuchen einen Fisch zu fangen, können Sie es nun vielleicht erahnen. Der im vom Stausee Liebenstein nur 11 km entfernten Tschechien geborene Schrifsteller Ota Pavel
formulierte es noch etwas schöner. In seinem Buch „Wie ich den Fischen begenete“ schrieb er: „Als er seinen ersten Fisch fing, fing er sich selbst.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Achja, Fische fangen. Das kann man natürlich auch hier am Hochwasserspeicher Liebenstein. Ziemlich gut sogar. Der extrem nährstoffreiche See beherbergt viele Weißfischarten. Wo sich Karpfen, Schleien, Rotaugen und Brachsen tummeln, sind auch die Räuber nicht weit. Zander, Barsche und Hechte lauern hier auf Beute. Die Raubfische lassen sich nicht immer leicht überlisten, aber sie sind da.

Nicht nur ich freue mich über jeden Angeltag, den ich am Stausee verbringen darf, auch mein Kollege Thomas aus dem Nachbarbundesland Baden-Württemberg hat den ruhigen Stausee bei einem gemeinsamen Filmdreh zum Thema Zanderangeln im Winter ins Anglerherz geschlossen. Nehmen also auch Sie sich die Zeit zur Entspannung und statten Sie dem Stausee Liebenstein bei Ihrem nächsten Urlaub im Stiftland einen Besuch ab, egal ob mit Angel oder ohne!

Autor: Franz Hollweck